Kulturschockstrategien
Nils, Samstag, 14. November 2009, 08:47
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Kulturschock

Teil des Seminars für mit-ausreisende Partner in der letzten Woche war auch eine Sensibilisierung für den Kulturschock. Der Kulturschock bezieht sich dabei auf eine Phase nach der anfänglichen Euphorie im Ausland, in der eine Aneinanderreihung negativer Erlebnisse oder Erfahrungen für das teils sehr heftige Absinken des Stimmungsbaronmeters sorgt. Kleinere Schwierigkeiten wie einfache Probleme bei Behördengängen oder Frustration beim Einkauf weiten sich dann zu persönlichen Krisen aus. Physische Symptome wie Kopfschmerzen, Durchfall und Magenbeschwerden, aber auch psychische Symptome wie Schlaflosigkeit, Depressionen und Heimweh gelten dabei als Symptome für das Stimmungstief des Kulturschocks. Wenn ich vergangene Auslandsaufenthalte reflektiere – hptsl. die zwei halben Jahre in den USA und Russland (aber auch die Übersiedlung nach Stuttgart in etwas abgeminderter Form) – lässt sich das typische Kulturschockmuster rückblickend sehr klar erkennen.

Im Umgang mit dem Phänomen Kulturschock – das natürlich in Bischkek auch nicht ausbleiben wird – gibt es verschiedenen Ansatzpunkte und Tipps, um das Krisental gut durchzustehen und schnell zu passieren. Mit Bezug auf das MAP-Seminar und das Buch “Mit dem Partner ins Ausland” hier die aus meiner Sicht hilfreichsten Denkanstöße:

- Eigene Kultur nicht als Korsett (oder Gefängnis) begreifen – nur weil uns gewissen Denk- und Handlungsabläufe als selbstverständlich erscheinen sind diese nicht “richtig” oder “richtiger” sondern lediglich “anders” – Neugier und Wissensdurst sind da angebrachter und hilfreicher als ständige wertebelastete besser/schlechter-Abwägungen

- Informationen über das Land sind extrem wichtig – inkl. Historie, Religion, Gesellschaft etc. – Gesetze und Regeln des Systems wird man nicht ändern können, aber ihren Hintergrund zu verstehen hilft, mit ihnen klarzukommen
Sprache lernen! Sprachkomplikationen sind ganz oft Auslöser für die angesprochenen kleineren Schwierigkeiten. Außerdem können ungewöhnliche Verhaltensweisen mithilfe der Sprache aufgelöst werden

- Freizeit nicht nur mit Deutschen verbringen – in der deutschen Wagenburg neigt man (auch daheim in D…) sehr schnell zu Zynismus und Meckerrunden, die schnell zu Stereotypen und oft gar Rassisimus umschlagen. Witze über das Gastland und seine Menschen sind tabu! (jemand meinte explizit man sollte zu solchen Witzen tendierende Leute meiden…)

- Aktiv bleiben! Land und Leute kennenlernen, herumreisen – Je mehr man zuhause sitzt und sich bemitleidet, je tiefer gerät man in das Kulturschock-Tal!

Eine gute Empfehlung finde ich im Übrigen die Erstellung einer Liste mit positiven Eigenschaften des Gastlandes, die sich im Laufe des Aufenthaltes immer weiter füllt.