Borschtsch – komplett selbstgekocht
Nils, Samstag, 6. März 2010, 18:46
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Ich bin nun seit Mittwoch in Kirgisistan angekommen – diesmal nicht für einen Kurzbesuch sonder tatsächlich dauerhaft. Wenn Maria heut nacht von Dienstreise wiederkommt ist unser kleiner Haushalt also nach langer Zeit mal wieder komplett. Zur Feier des Tages habe ich den Vormittag bei knapp 20° [ja... Celsius!] und Sonnenschein auf dem Gemüsemarkt verbracht und den Rest des Tages am Herd – denn es gibt Borschtsch (russ. борщ). Sonst gibt es das ja hier als Maggifix-Fertigmischung, aber das ist ja nur der halbe Spaß. Und weil die gute Laune groß ist, gebe ich hier mal mein Borschtsch-Rezept zum Besten. Der Fairness halber müsste ich euch zwar die Russischen Namen geben, damit ihr auch mal stammelnd vor der Gemüsefrau steht, aber wir wollen mal nicht so sein…

Also für einen großen Topf (groß ist bei uns der Schnellkochtopf) braucht ihr:

  • • 600g Rindfleisch (okay, dank der russischen Genauigkeit war es heut fast ein Kilo)
  • • 4 Liter Wasser, 2 Zwiebeln und ein paar Lorbeerblätter für die Brühe
  • • 1/2kg Weißkohl
  • • 1/2kg rote Beete
  • • 300g Kartoffeln
  • • 300g Mohrrüben
  • • 4 Tomaten
  • • Butter (besser ist Schmalz, hab ich aber nicht gefunden…)
  • • 2EL Zucker
  • • 2EL Essig
  • • 1 Becher saure Sahne

Das Fleisch m Topf knapp mit Wasser bedecken und kurz aufkochen lassen (bis sich Schaum bildet). Das Fleisch kurz rausnehmen und das Wasser mit Schaum wegschütten. Dann das Fleisch zurück in den Topf, die 4l Wasser drauf und die zwei Zwiebeln (ganz) und die Lorbeerblätter dazu – das muss jetzt knapp 2 Stündchen köcheln.

Damit hat man jetzt auch genug Zeit um das ganze Gemüse zu würfeln (Kartoffeln, Tomaten) bzw. zu raspeln (Kohl, rote Beete, Mohrrüben).

Wenn das Fleisch in der Brühe durchgekocht ist, nimmt man es heraus und entfernt Zwiebeln und Lorbeerblätter aus der Brühe. Dann gibt man Kartoffeln und den geraspelten Weißkohl in die Brühe und lässt das noch ein bisschen kochen. Parallel dünstet man die rote Beete in einer Pfanne mit reichlich Butter (bzw. Schmalz) bis sie kräftig suppt (ca. 10-15min). Dann gibt man die Tomaten und die Mohrrüben sowie den Essig und den Zucker hinzu und lässt das nochmal ein bisschen dünsten. Dann gibt man den Gemüsemix in die Brühe und fügt noch das kleingeschnittene Fleisch hinzu. Nochmal alles zusammen aufkochen und vernünftig würzen. Am besten schmeckt das Ganze am nächsten Tag, wenn es gut durchgezogen ist. Die Reste lassen sich gut einfrieren.

Serviert wird das Ganze dann im tiefen Teller mit einem Löffel Saurer Sahne oben drauf. Guten Appetit!



Markttag
Nils, Samstag, 5. Dezember 2009, 09:58
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Da uns die positive Nachricht von der Ankunft unseres Gerassels am Flughafen durch einen Anruf vom Zoll erreichte (und wir das sehr gewöhnungsbedürftige Geschirr unserer Vermieter so langsam leid waren), machten wir uns am letzten Wochenende auf den Weg, um uns Ein Geschirrservice zuzulegen. In den Läden Bischkeks, ja selbst im ZUM waren wir nicht fündig geworden. Hier scheint Geschirr aus Glas der letzte Schrei zu sein, und selbiges gibt es in den verschiedensten Formen und Farben.

Allerdings hatte uns jemand geraten, es doch auf dem Dordoi-Basar zu versuchen. Dort gäbe es wirklich alles zu kaufen – sicherlich auch Geschirr nach unserem Geschmack. Da wir diesen größten Basar von Bischkek noch nicht kannten und neugierrig waren, machten wir uns mit einem der vielen Sammeltaxis (Marschrutka) für 15 Som Kopfpauschale (25 Cent) auf den Weg nach Norden.
Größere Kartenansicht
Der Dordoi-Basar ist eigentlich nur eine Ansammlung von Baucontainern – tausenden Baucontainern um genau zu sein. Fein säuberlich sind diese jeweils zu zwei Stück aufeineinandergestapelt oder sogar -geschweißt und in einem feinmaschigen Wegenetz aneinenandergereiht. Die unglaubliche Größe wird vielleicht aus Luftperspektive mit der Karte oben am deutlichsten. Es ist eine kleine Containerstadt, die da am Stadtrand entstanden ist. Die Marktplätze scheinen recht teuer (wir haben Schilder gesehen, die Container zum Kauf für 10,000$ feil boten). Zudem ist die Containerstadt tehamtisch gegliedert. Es gibt mehrere “Straßen” Haushaltstechnik, Unterhaltungselektronik, Klamotten, etc. Marias Russischlehrerin hatte uns schon vorab bezüglich der Lage der “Geschirr-Straße” gebrieft und wir fanden diese auch recht schnell:

Dordoimarkt

Dordoimarkt2

Auch diese Straße bestand aus einer langen Reihe doppelstöckiger Container, die durch ein aufgeschweißtes Dachkonstrukt gegen Regen und Schnee geschützt war (wie man sieht aber dadurch recht dunkel war). In dieser Straße gab es also rund um den Küchenhaushalt alles mögliche an Zubehör – von Töpfen und Pfannen, über Besteck, Nudelhölzer etc alles was das Herz begehrt… und eben auch Geschirr. Allerdings mussten wir eine ganze Weile suchen, ehe wir etwas passable fanden, denn die Straße wurde von weißem Einheitsgeschirr (wahlweise rund oder eckig) dominiert. Wir hatten schon beinahe aufgegeben, als wir plötzlich einen Container entdeckten, in dem versteckt hinten an der Wand eine Reihe von Schautellern ausgestellt war. Wir fragten, ob es zu diesen Tellern auch ganze Sets gebe und für diese Frage wurden wir belohnt.

Dordoi-Basar Geschirrcontainer

Uns gefiel ein 24teiliges Set für 4 Personen sehr gut, welches sich mit modernem Streifenmuster deutlich von den vorherrschenden Blumenmotiven mit Goldrand absetzte. Wir zweifelten noch kurz ob es denn davon nun auch zwei Sets geben würde, doch die Dame verschwand 5 Minuten über eine kleine Leiter im darüber liegenden Container (das ist nämlich jeweils der Lagerraum für den darunter liegenden Containerladen) und kam schließlich mit zwei Sets dieses Geschirrs wieder herunter. Mit insgesamt 2400 Som (35€) war das Ganze auch noch erschwinglich und ermöglichte der Verkäuferin aber vermutlich ein komfortables Wochenende.

Wir nahmen das Geschirr und schlenderten noch eine Runde über den Markt (dabei kauften wir an einem Weihnachtscontainer noch einen Karton roter Weihnachtsbaumkugeln und -sterne), ehe wir uns wieder mit einer Marschrutka auf den Heimweg machten.