Skifoan!
Nils, Mittwoch, 1. Februar 2012, 19:03
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Kirgisistan wird in Zeiten der Klimaerwärmung immer wieder als Austragungsort zukünftiger Wintersportereignisse gehandelt und nun hat sogar der Präsident des Ski-Weltverbandes FIS eine derartige Überzeugung geäußert. Unsere Berge hier sind schließlich absolut schneesicher (oder zumindest haben wir die entsprechenden Temperaturen, wenn auch wenig Niederschläge) und zudem haben wir soviel Sonne wie kaum ein anderer Fleck Erde. Daher haben sich in den letzten Jahren so einige Wintersportzentren im Land etabliert. In der Nähe von Karakol gibt es auf knapp dreineinhalbtausend Metern (!) ein ganz fantastisches Skigebiet mit Pisten aller Schwierigkeitsgrade. Und auch in der Nähe der Hauptstadt befindet sich mehr als ein halbes Dutzend verschiedener Skigebiete – alle weniger als eine Autostunde entfernt (aber auch jeweils deutlich kleiner als das Gebiet in Karakol). Also musste ich mich doch auch mal von der Skitauglichkeit überzeugen. Da die Skigebiete in der Umgegend an den Wochenenden hoffnungslos überfüllt sind (ein Freund war am Sonntag nicht mal mehr in der Lage ein paar Leihskier aufzutreiben), nutzte ich also einen freien Tag unter der Woche um zusammen mit zwei Freunden nach “Sil” zu fahren, das beliebteste Skigebiet in Bischkeks Umgebung.

Skier liehen wir uns hier gleich in Bischkek, wo im Winter so ziemlich jeder Sportladen zum Ski- und Snowboardverleih mutiert. Dann machten wir uns auf den knapp 40km langen Weg über die Dörfer nach Sil, das sich südöstlich der Stadt in den Bergen nahe des Alamedin-Canyons befindet (hier zum Anschauen bei Google-Maps).

Vor Ort erwarben wir erstmal unsere Tagesskipässe für je 500 Som (7-8€) und schnallten uns die Bretter unter die Füße. Insgesamt umfasst das Gebiet drei Lifte. Ein Doppel-Sessellift wurde erst vor der Saison errichtet (zuvor stand er in der Schweiz – übrigens sind so ziemlich alle kirgisischen Skilifte recycelte Schweizer Pistenzuckler, auch in Karakol). Daneben gibt es noch einen etwas längeren Schlepplift. Wobei, der Begriff nicht ganz zutreffend ist, denn immer wieder gibt es Phasen, wo der Lift vom Schlepp- zum Sessellift mutiert. Es gibt nämlich auf dem Weg (knapp 10min) die ein oder andere Senke oder kleinere Flusstäler, die man fast majestätisch überschwebt (entsprechend sind flauer Magen, panisches Umklammern der Liftstange und einige Stoßgebete plötzlich 2 Meter über dem Boden und mit nur einem 10x10cm-großen Stück Metall unter dem Hintern im Preis inbegriffen). Zu guter Letzt gibt es noch einen kleinen Übungslift nahe der Talstation.  Dementsprechend gibt es zwei längere Hauptpisten mit einer ganzen Reihe von Abzweigungen und Verbindungen. Alle Pisten sind aber eigentlich recht einfach und für Anfänger geeignet. Einzig die lange Piste nach dem Schlepplift enthält einen steileren Abhang, der gegen Nachmittag zunehmend eisiger wurde.

Die Pistenverhältnisse waren durchweg super. Bei strahlendem Sonnenschein und griffiger Piste konnten wir wirklich durchweg gut fahren. Zudem sorgten vier Schneekanonen und eine Schneeraupe dafür dass nachlassende Teile der Strecken schnell  ausgebessert wurden. An der Liftstation gibt es auch eine ganze Reihe von Picknicktischen, an denen wir uns zur Mittagszeit mit einem Snack und Glühwein stärkten.

Besonders beeindruckend ist der Panoramablick, den man während des Skifahrens genießen darf, hat man doch einen weiten Blick über das gesamte Tschui-Tal bis zu den fast 100km entfernten Gipfeln der Alatau-Ausläufer auf kasachischer Seite.  Allerdings ist diese Freude zeitlich beschränkt, denn Punkt vier beginnt der Feierabend der Angestellten des Skigebietes. Dementsprechend stoppte um 16:00 der Schlepplift, wobei die Erleichterung darüber dass es mich nicht gerade beim Überschweben eines Baches erwischt hatte über den ersten Schock hinweg half.