Ausflug nach Taschkent (Teil 1)
Nils, Donnerstag, 25. März 2010, 10:20
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Letzte Woche haben wir gemeinsam sieben Tage in der usbekischen Hauptstadt Taschkent verbracht. Davon wollen wir hier ein paar Eindrücke mit euch teilen.

Am 12. März landeten wir am Abend nach einer knappen Stunde Flug in Taschkent. Da es schon dunkel war, gab es leider aus dem Flugzeugfenster so gut wie nichts zu sehen. Am Flughafen bekamen wir ziemlich schnell einen ersten Eindruck des Polizeistaates, wobei die vielen und vom Ansatz her recht detailgenauen Kontrollen (Formulare & Durchleuchtungen) dann in der Praxis doch eher oberflächlich gehandhabt werden. Auf der Fahrt vom Flughafen ins Hotel hatten wir schon fast das Gefühl durch ein kilometerlanges Ehrenaufgebot der usbekischen Polizei zu fahren. So ziemlich an jeder Kreuzung steht mindestens ein Polizist und bei längeren Straßenabschnitten auch dazwischen. Das Hotel – das InterContinental Taschkent – gefiel uns ziemlich gut. Von außen strahlt das ganze zwar den Charme eines Frankfurter Bankenturms aus, doch innen war es mit Pool und Fitness Center gut ausgestattet und das Zimmer war auch verhältnismäßig wohnlich.

Am Wochenende machten wir uns auf, um gemeinsam die Stadt zu erkunden. Taschkent ist mit über 2,2mio Einwohnern die größte Stadt Zentralasiens, besitzt aber verglichen mit den anderen früheren usbekischen Seidenstraßen-Metropolen Samarkand, Buchara, Kokand und Chiva wenig historisch wertvolle Sehenswürdigkeiten, was sicherlich zum Teil auf das große Erdbeben von 1966 zurückzuführen ist, nachdem die Stadt baulich wie geistig sowjetisiert worden ist. Architektonisch ist die Stadt eine Mischung aus einer Handvoll islamisch und national geprägter Bauten, ein paar zaristischen Schmuckstücken und ziemlich vielen Sowjetkolossen. Lesenswert zur Stadtarchitektur ist diese Abhandlung auf Zentralasien.net: http://www.zentralasien.net/taschkent/index.html.

Ausgestattet mit einem Stadtplan und unserem Lonely Planet liefen wir bei schönstem Frühlingswetter die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Innenstadt zu Fuß ab. Zunächst ging es die Hauptstraße entlang am Amir-Timur-Museum (s. Bild) vorbei zum zentralen Platz der Stadt. Wie in der gesamten Stadt waren dort auch dutzende Arbeiter damit beschäftigt, die Stadt für den Frühling herauszuputzen. Überall wurden kurz vor dem bevorstehenden Fest „Novruz“ Straßen ausgebessert, Bäume  und Bordsteinkanten (sowie in großzügiger Manier meist auch das Gras daneben!) weiß bepinselt und Beete gepflegt. Mitten auf dem Platz steht ein riesiges Reiterstandbild des Nationalhelden Amir Timur. Seinem Pferd wurde übrigens (wie auf dem Bild auch zu sehen) vor einigen Jahren „das beste Stück“ gestohlen.

Nach einem kurzen Abstecher zum Opernhaus – nach eigenen Angaben immerhin das größte in Zentral- und Südasien – spazierten wir vorbei am Senats-Gebäude, welches angeblich so groß gebaut wurde um den amerikanischen Gegenpart zu übertrumpfen. Unter dem Tor mit den „Freundschaftspelikanen“ hindurch schlenderten wir ein wenig durch den zentralen Park Mustaqillik Maydoni, bevor wir mit einem Eis in der Hand zum Chorzu-Basar liefen. Obwohl er als große Sehenswürdigkeit empfohlen wurde, waren wir von dem Basar etwas enttäuscht, gleicht er doch trotz der interessanten Kuppelkonstruktion stark den Märkten daheim in Bischkek.

Mit der U-Bahn ging es dann zurück ins Hotel. Abends entschieden wir uns, dem Rat unseres Fahrers vom Vorabend zu folgen und den Sonnenuntergang  vom Taschkenter Fernsehturm aus zu verfolgen. Zwar sahen wir vom Sonnenuntergang nicht besonders viel – da sich erstens kein besonders erwähnenswerter Untergang einstellte und sich zweitens das Drehrestaurant just vor dem Erreichen der entsprechenden Position wieder in die entgegengesetzte Richtung zu drehen begann -, aber dafür hatten wir ein sozialistisch-historisches Erlebnis der besonderen Art. Denn unser Eindruck war, dass sich im und um den Fernsehturm in den letzten dreißig Jahren so gut wie nichts verändert haben dürfte. Die kleine Ausstellung im Eingangsbereich, die Flure und Lifte sowie die Ausstattung des Restaurants dürften sich noch im Originalzustand befinden. Den ansprechenden Vorspeisenteller (s. Bild) mussten wir übrigens schon am Fuß des Turms ordern – quasi als garantierter Mindestverzehr.

Am nächsten Morgen machten wir uns erneut auf in die Stadt. Zunächst besichtigten wir die Kulkedash-Medrese, eine Koranschule aus dem 16. Jahrhundert. Dann spazierten wir am „Palast der Freundschaft“ vorbei zur , wo lokale Handwerker Souvenirs herstellen und verkaufen. Dort erstanden wir auch einen Koranständer, der nach traditioneller Technik aus einem einzigen Stück Holz geschnitzt wird (und von nun an unsere Kochbücher halten wird)! Gegenüber der Medrese beobachteten wir noch eine Weile, wie einige hundert Kostümierte für die Feierlichkeiten zu Novruz probten, bevor wir zurück ins Hotel fuhren.