Am frühen Montagmorgen ging es dann für uns weiter. Wir packten unsere sieben Sachen in ein Taxi, das wir schon am Vorabend bestellt hatten und brausten ab zum Bahnhof, wo auch schon der Zug nach Samarkand einrollte. Wir hatten zweite-Klasse-Plätze gebucht und waren vom uns gebotenen Komfort überrascht. Wie in der Flugzeug-Business-Class gab es große breite Sessel mit einem Tisch und einem Fernseher für jede Reihe. Somit gestaltete sich die knapp dreistündige Fahrt recht angenehm. Auf den uns angebotenen Tee verzichteten wir angesichts der Hitze aber lieber. Dann rauschten wir durch die usbekische Wüste. Die Fahrt wurde uns von der usbekischen Bahn mit einem 60er-Jahre Sowjet-Schinken auf dem kleinen Bildschirm vor uns versüßt- doch war das ja allemal angenehmer als die usbekischen Schlager der vorhergehenden Zugfahrt. Kurz nach 10 Uhr morgens kamen wir in Samarkand an. Wie in Buchara war auch hier von dem bestellten Hoteltransfer nichts zu entdecken (man sagte uns später ohne wirkliche Zeichen des Bedauerns, dass man uns dann wohl vergessen habe). Nachdem wir also eine Weile durch den ziemlich großen Samarkander Bahnhof geirrt waren, in der Hoffnung denjenigen zu finden, der uns abholen sollte, entschieden wir uns, es dann mit einem Privat-Taxi zu versuchen. Die aufdringliche Menge von Fahrern direkt vor dem Eingang umgingen wir und vertrauten uns dann einem älteren Herrn mit einem alten blauen Lada an, der uns für nicht mal zwei Dollar eine knappe Viertelstunde zum Hotel fuhr. Auch hier bekamen wir schnell ein Zimmer, wo wir aber nur kurz verweilten, da wir ja was von der Stadt sehen wollten.
Zum Glück war es nicht ganz so heiß wie in Buchara. Das Hotel war recht zentrumsnah gelegen, direkt zwischen der polnischen und der armenischen Kirche. Wir machten einen kurzen Abstecher in den nahen „Central Park“, wo wir gleich ein nettes Restaurant für den Abend entdeckten, und folgten dann dem Universitätsboulevard ins Zentrum. Zunächst besichtigten wir hier das Timuriden-Mausoleum, welches uns mit seiner riesigen türkisen Kuppel schon aus der Ferne sehr beeindruckte. Hier liegen Amir Timur und einige seiner Thronfolger u.A. der große Förderer der Wissenschaft Ulug Bek, von dem wir später noch mehr erfuhren, begraben. Außerdem mussten wir feststellen, dass die Eintrittspreise für die Sehenswürdigkeiten in Samarkand ein anderes Niveau haben als im restlichen Usbekistan. Schon der Eintritt zum Mausoleum entsprach ungefähr dem zehnfachen der üblichen Eintrittsgelder in Buchara und Taschkent und war durchaus mit deutschen Museen vergleichbar. Nichtsdestotrotz ist das Ganze natürlich sehr sehenswert. Die Kuppel ist wohl die schönste türkise Fliesenkuppel in ganz Samarkand.
Nach dem Mausoleum spazierten wir weiter in die Stadt hinein und erreichten nach wenigen Minuten den Registan. Der berühmte Platz mit den drei Koranschulen ist mit seinem Erhaltungszustand sehr beeindruckend, auch wenn wir ihn uns von Bildern und Gemälden ein Stückchen größer vorgestellt hatten. Auch hier bemühte man sich erfolgreich, uns über den Eintrittspreis um ein gutes Stück unseres schweren usbekischen Geldbündels zu erleichtern. Zunächst besichtigten wir die Ulug-Bek-Medrese (auf den Fotos vom gesamten Platz, die große Koranschule auf der linken Seite). Es ist das älteste Gebäude des Ensembles (fertiggestellt 1420) und war zu seiner Zeit eine anerkannte und fortgeschrittene Bildungseinrichtung. Ulug Bek selbst soll hier damals Mathematik-Vorlesungen gehalten haben. Wir folgten dem Platz im Uhrzeigersinn und besichtigten die Tilla-Kari-Medrese von 1660, welche eine schön gestaltete Moschee und einen schönen Innenhof mit Rosenstöcken beherbergt. Zum Abschluss besichtigten wir die Sher-Dor-Medrese (1636). Sie ist mit Tigern geschmückt, die aber eigentlich Löwen sein sollen (weshalb sie übersetzt auch Löwen-Medrese heißt). Anschließend gönnten wir uns ein Eis im Park vor dem Registan und spazierten langsam zurück zum Hotel. Nach einem kurzen Abstecher zur Samarakander Oper (wo uns leider niemand Auskunft geben konnte was oder ob überhaupt gespielt wird). Vom nahenden Gewitter angetrieben erreichten wir dann recht schnell das Hotel, wo wir uns ein wenig ausruhten. Dann machten wir uns noch einmal auf den Weg, diesmal aber in die andere Richtung, um ein wenig nach Souvenirs Ausschau zu halten. Allerdings war der Ausflug zum ZUM eine herbe Enttäuschung. Damit verglichen ist das ZUM in Bischkek das reinste Shopping-Paradies. In Samarkand gleicht es mehr einer traurigen Resterampe. Also gaben wir die Suche recht schnell auf und spazierten zurück zum „Central Park“, wo wir uns in dem zuvor ausgeguckten Freilicht-Restaurant für einen schönen und entspannten Tagesausklang niederließen.
Am nächsten Morgen packten wir unsere Tasche wieder zusammen und gaben sie an der Rezeption ab. Unser Zug zurück nach Taschkent sollte erst abends gehen und wir wollten natürlich noch mehr von der Stadt sehen. Wir liefen also erneut an der Statue Amir Timurs vorbei ins Zentrum, umrundeten den Registan und durchliefen eine nett gemachte, aber für Usbekistan irgendwie zu touristisch perfekte Fußgängerzone zur Bibi-Khanym-Moschee. Diese Moschee war noch kurz vor dem Tode Amir Timurs fertiggestellt worden und muss seinerzeit eine der größten Moscheen der islamischen Welt gewesen sein, bevor sie 1897 von einem schweren Erdbeben zerstört wurde. Inzwischen ist zumindest die Fassade weitgehen restauriert, sodass man zumindest ein wenig die beeindruckenden Ausmaße des Gebäudes nachvollziehen kann, welches lange Zeit als das Juwel Samarkands galt. Im Inneren ist jedoch noch sehr sichtbar wie bruchstückhaft die Restaurierung bislang ist.
Einige Gehminuten entfernt liegt eine noch beeindruckendere Sehenswürdigkeit - die Gräberstadt Shah-i-Sinda. Es handelt sich dabei um eine „Allee der Mausoleen“ an der Südseite des Afrosiab-Hügels, die an der Grabstätte eines Cousins von Mohammed über die Jahrhunderte errichtet worden ist. Vor allem Amir Timur und später Ulug Bek begruben hier enge Freunde und Verwandte. Das Ganze ist heute ein sehr beeindruckendes Ensemble von Mausoleen aus dem 14. und 15. Jahrhundert und gilt noch vor dem Regstan als Samarkands wichtigste Sehenswürdigkeit.
Rund um die Nekropole befindet sich ein großer noch heute genutzter Friedhof. Diesen durchquerten wir und folgten der Straße den Afrosiab-Hügel weiter hinauf. Hier befand sich das alte Marakanda – eine Stadt so alt wie das ewige Rom und die Hauptstadt des längst untergegangenen Reiches der Sogder. Doch noch ließen wir die Ausgrabungen links liegen und wanderten weiter zum Grab des Propheten Daniel (Daniel aus der Löwengrube), welches beschaulich über dem kleinen Siab-Fluss gelegen ist. Das Grab ist heutzutage Pilgerstädte für Muslime, Christen und Juden gleichermaßen. Besonders interessant sind die Ausmaße des Grabes. Amir Timur hatte die Überreste des Propheten bei seinem Feldzug gegen die Perser in Susa erbeutet und nach Samarkand überführt. Hier hat man ihn begraben und dann verwundert festgestellt, dass sein Grabstein wächst. Aktuell ist der Grabstein 18 Meter lang (!) und wächst angeblich weiter… Wir liefen noch ein paar Minuten weiter an der Straße entlang nach Norden. Dort wollten wir das astronomische Observatorium von Ulug Bek besichtigen. Anders als seine blutrünstigen Vorgänger lehnte Ulug Bek die Kriegsführung stark ab und war ein großer Förderer der Wissenschaft (zum Unverständnis des restlichen Königshauses, das ihn dann später dafür meuchelte). Er ließ Bibliotheken und Medresen bauen und errichtete im Norden der Stadt das damals modernste Himmelsobservatorum der Welt. Zwar war das dazugehörige Museum geschlossen, doch nette Überwacher der Bauarbeiten ließen uns für ein paar Sum in das eigentliche Observatorium hinabsteigen. Eigentlich handelt es sich um eine lange, recht breite gleichmäßige Rille die gerundet ähnlich einer Ski-Schanze in den Untergrund installiert ist, quasi ein riesiger Sextant. Damit konnten die Wissenschaftler sehr exakte Sternenpositionstabellen anfertigen, welche von modernen Messungen weitgehend bestätigt wurden.
Mit dem Taxi traten wir den Rückweg an und ließen uns am Afrosiab-Museum bei den Ausgrabungen absetzen. Selbiges lohnt nicht unbedingt einen Abstecher. Es handelt sich um ein noch ziemlich sowjetisches Museum. Im Museum selbst konnten wir zunächst mit ansehen, wie sich alle Aufseherinnen unser soeben entrichtetes Eintrittsgeld unter sich aufteilten – wir hatten den Fehler gemacht, kein Eintrittsticket zu verlangen. Ohne Gegenstück zum Ticket gibt es keinen Nachweis über unseren Besuch und das Eintrittsgeld wandert in die Taschen des Personals. Einerseits kann man das angesichts der geringen Löhne sicherlich verstehen, andererseits ist das natürlich der Tod für jedes Museumssystem. Die Besucherzahlen werden somit quasi gering gehalten, es steht weniger Geld für das Museum selbst zur Verfügung und entsprechend wird das Museum wohl in den nächsten Jahren den „Glanz der Sowjetzeit“ bewahren können. Zu sehen gibt es eine Handvoll Funde von den archäologischen Ausgrabungen und ein paar Karten über die Entwicklung der Stadt – alles aber mehr oder weniger nur für wirkliche Hardcore-Archäologen geeignet. Auch die Ausgrabungen selbst sind nicht so spannend. Die Ausgrabungsstätten, die über den Hügel verteilt sind, sind nicht beschildert oder sonstwie beschriftet. Man benötigt wirklich extrem viel Fantasie, um sich hier eine Häuser oder städtische Infrastruktur vorstellen zu können. Also machten wir uns recht schnell auf den Weg zurück in die Stadt. Unterwegs legten wir einen Abstecher zum Basar ein, wo wir uns mit Getränken und leckeren frischen Aprikosen versorgten. Auf einer Parkbank genossen wir noch ein wenig die Sommersonne, bevor wir ins Hotel zurückspazierten. Von dort ließen wir uns mit einem Taxi zum Bahnhof chauffieren. Es war das erste Taxi mit Taximeter, das wir in der Region sahen. Als er uns dann für die viertelstündige Fahrt lediglich einen halben Dollar abknöpfen wollte, erhielt er noch ein reichliches Trinkgeld oben drauf.
Wir waren diesmal etwas zeitig am Bahnhof, wollten uns aber noch mit ein wenig Nahrung versorgen. Leider gab es außer Samarkander Brot nichts zu kaufen… An sich ist das Samarkander Brot ja sehr berühmt. Immer mal wieder befeuchtet und gebacken hält es sich angeblich drei Jahre. Dementsprechend kauresistent ist es aber und eigentlich im Vergleich zum gewohnten Lepjoschka kein wirklicher Genuss. Am Bahnsteig konnten wir dann die eifrigen Vorbereitungen der Händler beobachten, die fleißig kistenweise Aprikosen und andere Früchte ans Gleis schleppten. Im Zug selbst erwartete uns ein großer Schock. Da wir quasi in einen Zug zustiegen, gab es keine reservierten Sitzplätze und der Zugbegleiter sollte uns die freien Plätze zuteilen. Leider war der Waggon sehr überfüllt und es herrschten mindestens 40 Grad in den Abteilen. Es dauerte eine Weile bis der Zugbegleiter die Kontrolle über die Situation zurückgewonnen hatte. Ich frage mich bis heute, wo er die ganzen Leute untergebracht hat, aber am Ende hatten alle einen Sitzplatz und der Zug setzte sich in Bewegung. Mit dem einsetzenden Fahrtwind wurde auch das Klima im Abteil erträglicher. Anders als auf der Zugfahrt zuvor, gab es hier 6er-Abteile. Aber natürlich gab es auch hier Fernseher und Beschallung. Diesmal wurden wir mit einem usbekischen Film unterhalten. Wir verstanden natürlich sprachlich nichts, waren aber trotzdem vom Inhalt und der offensichtlichen Tiefe der Geschichte ganz angetan. Kurz nach 21 Uhr erreichten wir dann wieder Taschkent. Mit der Metro fuhren wir zu unserem Hotel, wo wir für eine kurze Nacht eincheckten, da unser Flug zurück nach Bischkek bereits um 5:45 am nächsten Morgen ging.
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Nachträglich noch ein paar Impressionen aus dem Flugzeug auf dem Weg von Bischkek nach Duschanbe im Dezember 2009. Nach dem Abflug aus Bischkek fliegt man in Richtung Süden sogleich über dem kirgisischen Alatau, einer Gebirgskette des Tien-Schan, dann passiert man Toktogul, die größte Talsperre des Landes. Weiter süwestlich fliegt man über der Fergana-Gebirgskette, ebenfalls zum Tien-Schan gehörend, und nimmt dann deutlich die Tiefebene, das kirgisisch-tadschikisch-usbekische Ferganatal war bevor man das Alaigebirge erklimmt, um danach wieder flacheres Terrain und damit Duschanbe zu erreichen.
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Am Sonntag habe ich an einem Wanderausflug im Gebirge knapp zwei Stunden Busfahrt von Bischkek entfernt teilgenommen. Hier ein paar Eindrücke (wenn ihr ein Bild anklickt, wird es übrigens vergrößert):
Letzte Woche haben wir gemeinsam einen Ausflug an den gemacht. Der Issyk-Kul ist der zweitgrößte Hochgebirgssee der Welt (nach dem Titicacasee). Mehr Infos zum See findet ihr hier.















































