Ein Abstecher ins Reich von 1001 Nacht (Teil 2)
Nils, Donnerstag, 24. Juni 2010, 16:47
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Am frühen Montagmorgen ging es dann für uns weiter. Wir packten unsere sieben Sachen in ein Taxi, das wir schon am Vorabend bestellt hatten und brausten ab zum Bahnhof, wo auch schon der Zug nach Samarkand einrollte. Wir hatten zweite-Klasse-Plätze gebucht und waren vom uns gebotenen Komfort überrascht. Wie in der Flugzeug-Business-Class gab es große breite Sessel mit einem Tisch und einem Fernseher für jede Reihe.  Somit gestaltete sich die knapp dreistündige Fahrt recht angenehm. Auf den uns angebotenen Tee verzichteten wir angesichts der Hitze aber lieber. Dann rauschten wir durch die usbekische Wüste. Die Fahrt wurde uns von der usbekischen Bahn mit einem 60er-Jahre Sowjet-Schinken auf dem kleinen Bildschirm vor uns versüßt- doch war das ja allemal angenehmer als die usbekischen Schlager der vorhergehenden Zugfahrt. Kurz nach 10 Uhr morgens kamen wir in Samarkand an. Wie in Buchara war auch hier von dem bestellten Hoteltransfer nichts zu entdecken (man sagte uns später ohne wirkliche Zeichen des Bedauerns, dass man uns dann wohl vergessen habe). Nachdem wir also eine Weile durch den ziemlich großen Samarkander Bahnhof geirrt waren, in der Hoffnung denjenigen zu finden, der uns abholen sollte, entschieden wir uns, es dann mit einem Privat-Taxi zu versuchen. Die aufdringliche Menge von Fahrern direkt vor dem Eingang umgingen wir und vertrauten uns dann einem älteren Herrn mit einem alten blauen Lada an, der uns für nicht mal zwei Dollar eine knappe Viertelstunde zum Hotel fuhr. Auch hier bekamen wir schnell ein Zimmer, wo wir aber nur kurz verweilten, da wir ja was von der Stadt sehen wollten.

Zum Glück war es nicht ganz so heiß wie in Buchara. Das Hotel war recht zentrumsnah gelegen, direkt zwischen der polnischen und der armenischen Kirche. Wir machten einen kurzen Abstecher in den nahen „Central Park“, wo wir gleich ein nettes Restaurant für den Abend entdeckten, und folgten dann dem Universitätsboulevard ins Zentrum. Zunächst besichtigten wir hier das Timuriden-Mausoleum, welches uns mit seiner riesigen türkisen Kuppel schon aus der Ferne sehr beeindruckte. Hier liegen Amir Timur und einige seiner Thronfolger u.A. der große Förderer der Wissenschaft Ulug Bek, von dem wir später noch mehr erfuhren, begraben. Außerdem mussten wir feststellen, dass die Eintrittspreise für die Sehenswürdigkeiten in Samarkand ein anderes Niveau haben als im restlichen Usbekistan. Schon der Eintritt zum Mausoleum entsprach ungefähr dem zehnfachen der üblichen Eintrittsgelder in Buchara und Taschkent und war durchaus mit deutschen Museen vergleichbar. Nichtsdestotrotz ist das Ganze natürlich sehr sehenswert. Die Kuppel ist wohl die schönste türkise Fliesenkuppel in ganz Samarkand.

Nach dem Mausoleum spazierten wir weiter in die Stadt hinein und erreichten nach wenigen Minuten den Registan. Der berühmte Platz mit den drei Koranschulen ist mit seinem Erhaltungszustand sehr beeindruckend, auch wenn wir ihn uns von Bildern und Gemälden ein Stückchen größer vorgestellt hatten. Auch hier bemühte man sich erfolgreich, uns über den Eintrittspreis um ein gutes Stück unseres schweren usbekischen Geldbündels zu erleichtern. Zunächst besichtigten wir die Ulug-Bek-Medrese (auf den Fotos vom gesamten Platz, die große Koranschule auf der linken Seite). Es ist das älteste Gebäude des Ensembles (fertiggestellt 1420) und war zu seiner Zeit eine anerkannte und fortgeschrittene Bildungseinrichtung. Ulug Bek selbst soll hier damals Mathematik-Vorlesungen gehalten haben. Wir folgten dem Platz im Uhrzeigersinn und besichtigten die Tilla-Kari-Medrese von 1660, welche eine schön gestaltete Moschee und einen schönen Innenhof mit Rosenstöcken beherbergt. Zum Abschluss besichtigten wir die Sher-Dor-Medrese (1636). Sie ist mit Tigern geschmückt, die aber eigentlich Löwen sein sollen (weshalb sie übersetzt auch Löwen-Medrese heißt). Anschließend gönnten wir uns ein Eis im Park vor dem Registan und spazierten langsam zurück zum Hotel. Nach einem kurzen Abstecher zur Samarakander Oper (wo uns leider niemand Auskunft geben konnte was oder ob überhaupt gespielt wird). Vom nahenden Gewitter angetrieben erreichten wir dann recht schnell das Hotel, wo wir uns ein wenig ausruhten. Dann machten wir uns noch einmal auf den Weg, diesmal aber in die andere Richtung, um ein wenig nach Souvenirs Ausschau zu halten. Allerdings war der Ausflug zum ZUM eine herbe Enttäuschung. Damit verglichen ist das ZUM in Bischkek das reinste Shopping-Paradies. In Samarkand gleicht es mehr einer traurigen Resterampe. Also gaben wir die Suche recht schnell auf und spazierten zurück zum „Central Park“, wo wir uns in dem zuvor ausgeguckten Freilicht-Restaurant für einen schönen und entspannten Tagesausklang niederließen.

Am nächsten Morgen packten wir unsere Tasche wieder zusammen und gaben sie an der Rezeption ab. Unser Zug zurück nach Taschkent sollte erst abends gehen und wir wollten natürlich noch mehr von der Stadt sehen. Wir liefen also erneut an der Statue Amir Timurs vorbei ins Zentrum, umrundeten den Registan und durchliefen eine nett gemachte, aber für Usbekistan irgendwie zu touristisch perfekte Fußgängerzone zur Bibi-Khanym-Moschee. Diese Moschee war noch kurz vor dem Tode Amir Timurs fertiggestellt worden und muss seinerzeit eine der größten Moscheen der islamischen Welt gewesen sein, bevor sie 1897 von einem schweren Erdbeben zerstört wurde. Inzwischen ist zumindest die Fassade weitgehen restauriert, sodass man zumindest ein wenig die beeindruckenden Ausmaße des Gebäudes nachvollziehen kann, welches lange Zeit als das Juwel Samarkands galt. Im Inneren ist jedoch noch sehr sichtbar wie bruchstückhaft die Restaurierung bislang ist.

Einige Gehminuten entfernt liegt eine noch beeindruckendere Sehenswürdigkeit  - die Gräberstadt Shah-i-Sinda. Es handelt sich dabei um eine „Allee der Mausoleen“ an der Südseite des Afrosiab-Hügels, die an der Grabstätte eines Cousins von Mohammed über die Jahrhunderte errichtet worden ist. Vor allem Amir Timur und später Ulug Bek begruben hier enge Freunde und Verwandte. Das Ganze ist heute ein sehr beeindruckendes Ensemble von Mausoleen aus dem 14. und 15. Jahrhundert und gilt noch vor dem Regstan als Samarkands wichtigste Sehenswürdigkeit.

Rund um die Nekropole befindet sich ein großer noch heute genutzter Friedhof. Diesen durchquerten wir und folgten der Straße den Afrosiab-Hügel weiter hinauf. Hier befand sich das alte Marakanda – eine Stadt so alt wie das ewige Rom und die Hauptstadt des längst untergegangenen Reiches der Sogder. Doch noch ließen wir die Ausgrabungen links liegen und wanderten weiter zum Grab des Propheten Daniel (Daniel aus der Löwengrube), welches beschaulich über dem kleinen Siab-Fluss gelegen ist. Das Grab ist heutzutage Pilgerstädte für Muslime, Christen und Juden gleichermaßen. Besonders interessant sind die Ausmaße des Grabes. Amir Timur hatte die Überreste des Propheten bei seinem Feldzug gegen die Perser in Susa erbeutet und nach Samarkand überführt. Hier hat man ihn begraben und dann verwundert festgestellt, dass sein Grabstein wächst. Aktuell ist der Grabstein 18 Meter lang (!) und wächst angeblich weiter… Wir liefen noch ein paar Minuten weiter an der Straße entlang nach Norden. Dort wollten wir das astronomische Observatorium von Ulug Bek besichtigen. Anders als seine blutrünstigen Vorgänger lehnte Ulug Bek die Kriegsführung stark ab und war ein großer Förderer der Wissenschaft (zum Unverständnis des restlichen Königshauses, das ihn dann später dafür meuchelte). Er ließ Bibliotheken und Medresen bauen und errichtete im Norden der Stadt das damals modernste Himmelsobservatorum der Welt. Zwar war das dazugehörige Museum geschlossen, doch nette Überwacher der Bauarbeiten ließen uns für ein paar Sum in das eigentliche Observatorium hinabsteigen. Eigentlich handelt es sich um eine lange, recht breite gleichmäßige Rille die gerundet ähnlich einer Ski-Schanze  in den Untergrund installiert ist, quasi ein riesiger Sextant. Damit konnten die Wissenschaftler sehr exakte Sternenpositionstabellen anfertigen, welche von modernen Messungen weitgehend bestätigt wurden.

Mit dem Taxi traten wir den Rückweg an und ließen uns am Afrosiab-Museum bei den Ausgrabungen absetzen. Selbiges lohnt nicht unbedingt einen Abstecher. Es handelt sich um ein noch ziemlich sowjetisches Museum. Im Museum selbst konnten wir zunächst mit ansehen, wie sich alle Aufseherinnen unser soeben entrichtetes Eintrittsgeld unter sich aufteilten – wir hatten den Fehler gemacht, kein Eintrittsticket zu verlangen. Ohne Gegenstück zum Ticket gibt es keinen Nachweis über unseren Besuch und das Eintrittsgeld wandert in die Taschen des Personals. Einerseits kann man das angesichts der geringen Löhne sicherlich verstehen, andererseits ist das natürlich der Tod für jedes Museumssystem. Die Besucherzahlen werden somit quasi gering gehalten, es steht weniger Geld für das Museum selbst zur Verfügung und entsprechend wird das Museum wohl in den nächsten Jahren den „Glanz der Sowjetzeit“ bewahren können. Zu sehen gibt es eine Handvoll Funde von den archäologischen Ausgrabungen und ein paar Karten über die Entwicklung der Stadt – alles aber mehr oder weniger nur für wirkliche Hardcore-Archäologen geeignet. Auch die Ausgrabungen selbst sind nicht so spannend. Die Ausgrabungsstätten, die über den Hügel verteilt sind, sind nicht beschildert oder sonstwie beschriftet. Man benötigt wirklich extrem viel Fantasie, um sich hier eine Häuser oder städtische Infrastruktur vorstellen zu können. Also machten wir uns recht schnell auf den Weg zurück in die Stadt. Unterwegs legten wir einen Abstecher zum Basar ein, wo wir uns mit Getränken und leckeren frischen Aprikosen versorgten. Auf einer Parkbank genossen wir noch ein wenig die Sommersonne, bevor wir ins Hotel zurückspazierten. Von dort ließen wir uns mit einem Taxi zum Bahnhof chauffieren. Es war das erste Taxi mit Taximeter, das wir in der Region sahen. Als er uns dann für die viertelstündige Fahrt lediglich einen halben Dollar abknöpfen wollte, erhielt er noch ein reichliches Trinkgeld oben drauf.

Wir waren diesmal etwas zeitig am Bahnhof, wollten uns aber noch mit ein wenig Nahrung versorgen. Leider gab es außer Samarkander Brot nichts zu kaufen… An sich ist das Samarkander Brot ja sehr berühmt. Immer mal wieder befeuchtet und gebacken hält es sich angeblich drei Jahre. Dementsprechend kauresistent ist es aber und eigentlich im Vergleich zum gewohnten Lepjoschka kein wirklicher Genuss. Am Bahnsteig konnten wir dann die eifrigen Vorbereitungen der Händler beobachten, die fleißig kistenweise Aprikosen und andere Früchte ans Gleis schleppten. Im Zug selbst erwartete uns ein großer Schock. Da wir quasi in einen Zug zustiegen, gab es keine reservierten Sitzplätze und der Zugbegleiter sollte uns die freien Plätze zuteilen. Leider war der Waggon sehr überfüllt und es herrschten mindestens 40 Grad in den Abteilen. Es dauerte eine Weile bis der Zugbegleiter die Kontrolle über die Situation zurückgewonnen hatte. Ich frage mich bis heute, wo er die ganzen Leute untergebracht hat, aber am Ende hatten alle einen Sitzplatz und der Zug setzte sich in Bewegung. Mit dem einsetzenden Fahrtwind wurde auch das Klima im Abteil erträglicher. Anders als auf der Zugfahrt zuvor, gab es hier 6er-Abteile. Aber natürlich gab es auch hier Fernseher und Beschallung. Diesmal wurden wir mit einem usbekischen Film unterhalten. Wir verstanden natürlich sprachlich nichts, waren aber trotzdem vom Inhalt und der offensichtlichen Tiefe der Geschichte ganz angetan. Kurz nach 21 Uhr erreichten wir dann wieder Taschkent. Mit der Metro fuhren wir zu unserem Hotel, wo wir für eine kurze Nacht eincheckten, da unser Flug zurück nach Bischkek bereits um 5:45 am nächsten Morgen ging.



Ein Abstecher ins Reich von 1001 Nacht (Teil 1)
Nils, Montag, 14. Juni 2010, 10:26
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Die Möglichkeit die großen Städte und Stätten der alten Seidenstraße zu bereisen war natürlich – neben einigen anderen – ein ganz besonderer Grund, der uns im letzten Jahr nach Zentralasien zog. Maria wohnte ja im letzten Jahr bereits direkt an der Seidenstraße – heute eine von Bischkeks größeren Straßen. Allerdings sind in Kirgisistan nur wenige Zeugnisse der damals bedeutenden Handelsstraße erhalten. Nun bot sich uns die Chance, zwei der bedeutendsten Punkte entlang der Seidenstraße zu erkunden – Buchara und Samarkand.

Da wir „stundenlanges Eingepfercht-sein in einem stickigen Sammeltaxi auf dem Weg durch die Wüste“ vermeiden wollten, wählten wir den Zug. In Usbekistan ist das Schienennetz wesentlich besser ausgebaut als hierzulande (in KG gibt es nur eine Schienenstrecke von Bischkek ans Ufer des Issyk Kul). Und so bestiegen wir am letzten Freitag kurz nach 20 Uhr den Nachtzug nach Buchara. Vieles erinnerte an unser Transsib-Abenteuer – der heiße Samowar, die kleine Doppelkoje und nicht zuletzt die endlos vorbeiziehende Landschaft. Allerdings gab es auch überraschende Neuerungen. Wie auch hierzulande in den meisten Langstrecken-Marshrutkas DVD-Spieler und LCD-Bildschirme verbaut sind, prangte in unserer Koje über dem Fenster ein schwarzer LG-Flachbildschirm. Während der Fahrt konnten wir uns so mit usbekischer Volksmusik „verwöhnen“ lassen. Kurz nachdem wir den Taschkenter Hauptbahnhof verlassen hatten, gab es frischen Tee. Allerdings konstatieren wir, dass die Schienen der Transkaspischen wesentlich schlechter verlegt oder gepflegt sind als die der Transsibirischen Eisenbahn. So sorgte das starke Ruckeln nicht nur dafür, dass nach und nach die halbe Kanne grünen Tees auf der Tischdecke landete, sondern auch dass wir uns wesentlich ungemütlicher in den Schlaf schaukeln lassen konnten als zwischen Moskau und Wladiwostok.

Am nächsten Morgen erreichten wir um punkt 7 den etwas außerhalb von Buchara liegenden Bahnhof Kagan. Vom erwarteten Hoteltransfer war weit und breit keine Spur, sodass wir uns für knapp 3$ ein Taxi nahmen. Der Fahrer entlud uns am Lyab-e-Haus, von wo aus wir dann selbst nach unserem (gleichnamigen) Hotel forschen mussten. Aber wir fanden es dann doch schnell und man gab uns auch trotz der frühen Morgenstunde direkt ein Zimmer. Das Hotel hatte uns unser Lonely-Planet-Reiseführer empfohlen und wir waren wirklich angetan. Das Hotel selbst ist in einem schon etwas älteren Gemäuer untergebracht und hat einen historisch ausgestalteten Speisesaal und eine wunderschöne Frühstücksterrasse mit den hier typischen alten Holzsäulen. Das Zimmer war auch sehr  sauber und gut eingerichtet. Wir frühstückten also erst einmal und machten uns dann zu Fuß auf, um das alte Buchara zu erkunden.

Die Stadt hat uns wirklich beeindruckt. Buchara ist relativ klein und überschaubar und hat ein sehr geschlossenes Zentrum mit sehr vielen Sehenswürdigkeiten, die man alle gut erlaufen kann – wenn man hitzebeständig ist ;-) Zunächst bestaunten wir die schönen Kuppelbasare. Anders als heutzutage gab es nämlich im mittelalterlichen Buchara statt eines großen Basars viele kleine spezialisierte Kuppelbasare, von denen heute noch die  Basare der „Mützenverkäufer“, der „Juweliere“ und der „Geldwechsler“ erhalten sind. Dann gingen wir weiter durch die mittelalterliche Stadt und erreichten einen Platz mit drei besonders beeindruckenden Gebäuden. Hier stehen sich die Medrese Mir-e Arab (1535 vollendet) – eine noch heute aktive Koranschule – und die Kalon-Moschee (1514) gegenüber. Dazwischen steht das Kalon-Minarett, das Wahrzeichen Bucharas. Das Minarett wurde zu Beginn des 12. Jahrhunderts errichtet, ist 50m hoch und war lange Zeit das höchste Gebäude Zentralasiens. Es war das einzige Gebäude in Buchara, welches Dschingis Khan nach der Eroberung von der Zerstörung  verschonte, da ihm beim Anblick des Minaretts sein Hut vom Kopfe fiel und er das als Zeichen wertete. Anschließend besichtigten wir den „Ark“ – die mittelalterliche Festung innerhalb der Stadt, die als Herrschersitz diente. Allerdings suchten wir auf dem Vorplatz – wie vermutlich so viele andere Touristen –  vergeblich nach den Überbleibseln der beiden englischen Offziere  Stoddart und Connolly, die hier nach einem der spannendsten Kapitel des „Great Game“ 1842 nach jahrelanger Folter enthauptet wurden (aber nicht bevor sie sich ihr eigenes Grab eben auf diesem Platz ausgehoben hatten). Inzwischen war es unerträglich heiß geworden und uns brannten die  trockenen Kehlen. Verschärft wird die Hitze noch durch den leichten Wind, der in Böen ständig Sand aus der umliegenden Wüste in die Stadt trägt. Also besorgten wir uns eine Flasche Wasser und ließen uns in einem schattigen Park im Zentrum nieder. Dann spazierten wir durch den städtischen Freizeitpark und drehten eine Runde mit dem Tretboot vor der alten Stadtmauer aus dem Mittelalter, bevor wir uns auf den staubigen Weg zurück zum Hotel machten. Dort ruhten wir uns erstmal eine Weile aus, bevor wir am Abend noch einmal einen Spaziergang zur kleinen Medrese Tschar-Menar unternahmen. Inzwischen war die Hitze erträglich geworden und so ließen wir uns am Lyab-e Haus zum Abendessen nieder. Das Ganze hat mit dem deutschen „Haus“ wenig zu tun. Ein Haus ist ein künstlich angelegter Wasserspeicher, meist quadratisch, der im Mittelalter die Wasserversorgung der Bevölkerung sicherte. Das größte davon liegt im Herzen der Stadt. Es gibt dort schattenspendende Bäume und zwei Restaurants direkt am Wasser. Abends tummeln sich hier Touristen und Einheimische um die entspannte Atmosphäre und abendliche Kühle zu genießen. Für uns gab es während des Sonnenunterganges Salat, leckeres Schaschlik und die lokale Lagman-Variante.

Den zweiten Tag begannen wir mit einem entspannten Frühstück auf der Hotelterrasse, bevor wir uns auf den Weg zum Basar machten, wo wir hofften ein paar Souvenirs zu erstehen. Aber mehr als eine Sonnenbrille wollte uns nicht zusagen, und diese war auch nur ein Notkauf gegen die allgegenwärtig brennende Sonne. Wieder zurück im Zentrum machten wir uns auf die staubige Suche nach dem Haus des Kaufmanns Chodschajew, welche jedoch doppelt enttäuschend verlief. Zunächst führte uns die Karte ein wenig in die Irre und nachdem uns dann ein sehr freundlicher Einheimischer half und sogar mit seinem Auto zum Museum brachte, mussten wir feststellen, dass es geschlossen hatte. Überhaupt war die Stimmung in der Stadt ein wenig merkwürdig. Als wir morgens auf dem Weg zum Basar durch den Vergnügungspark wollten, wurden wir von einem Polizisten angehalten und gefragt, wie lange wir denn im Park sein würden. Als wir sagten, dass wir ja nur durchlaufen wollten und auf Riesenrad & Co verzichten würden, war er beruhigt. Wir erfuhren später, dass sich für den nächsten Tag Staatschef Karimov angekündigt hatte (und der Polizist wohl befürchtete, wir würden dort im Park übernachten…). Nach dem erfolglosen Museumsausflug kehrten wir zum Hotel zurück um der Mittagshitze zu entfliehen. Nachmittags machten wir uns noch einmal auf den Weg. Wir nahmen uns ein Taxi um in einen Vorort zur Sommerresidenz Setare-je Mah-e Chase des letzten Emirs von Buchara zu fahren. Laut Legende treffen dort Mond und Sterne aufeinander. Der Palast ist nicht besonders groß und mit seinem Garten recht schnell zu besichtigen. Außer des original erhaltenen „weißen Saales“ gibt es nicht so viel zu sehen. Also baten wir den Taxifahrer uns noch zur Nekropole Chor-Bakr zu fahren. Nach einer Viertelstunde erreichten wir die etwas westlich von Buchara gelegene Gräberstadt und waren beeindruckt. In den letzten Jahren haben die Usbeken viele ihrer historischen Stätten aufwändig restauriert (oft wohl auch mit etwas mangelhaftem Geschichts- und Restaurationsverständnis).  Wir fanden die große Anlage aber sehr interessant und sehenswert. Interessant ist, dass es hier so viele Pfauen gibt. Schon in der Sommerresidenz musste man aufpassen nicht über einen solchen zu stolpern und auch in der Nekropole sind die Rufe der Pfauen allgegenwärtig und stolz spazieren diese großen Vögel auf Mauern und Grabsteinen. Nach ausführlicher Besichtigung machten wir uns auf die Rückfahrt. Zurück im Zentrum setzten wir uns zum Sonnenuntergang wieder ans Lyab-e Haus und genossen am letzten Abend in Buchara Schaschlik und usbekischen Rotwein.



Ausflug nach Taschkent (Teil 1)
Nils, Donnerstag, 25. März 2010, 10:20
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Letzte Woche haben wir gemeinsam sieben Tage in der usbekischen Hauptstadt Taschkent verbracht. Davon wollen wir hier ein paar Eindrücke mit euch teilen.

Am 12. März landeten wir am Abend nach einer knappen Stunde Flug in Taschkent. Da es schon dunkel war, gab es leider aus dem Flugzeugfenster so gut wie nichts zu sehen. Am Flughafen bekamen wir ziemlich schnell einen ersten Eindruck des Polizeistaates, wobei die vielen und vom Ansatz her recht detailgenauen Kontrollen (Formulare & Durchleuchtungen) dann in der Praxis doch eher oberflächlich gehandhabt werden. Auf der Fahrt vom Flughafen ins Hotel hatten wir schon fast das Gefühl durch ein kilometerlanges Ehrenaufgebot der usbekischen Polizei zu fahren. So ziemlich an jeder Kreuzung steht mindestens ein Polizist und bei längeren Straßenabschnitten auch dazwischen. Das Hotel – das InterContinental Taschkent – gefiel uns ziemlich gut. Von außen strahlt das ganze zwar den Charme eines Frankfurter Bankenturms aus, doch innen war es mit Pool und Fitness Center gut ausgestattet und das Zimmer war auch verhältnismäßig wohnlich.

Am Wochenende machten wir uns auf, um gemeinsam die Stadt zu erkunden. Taschkent ist mit über 2,2mio Einwohnern die größte Stadt Zentralasiens, besitzt aber verglichen mit den anderen früheren usbekischen Seidenstraßen-Metropolen Samarkand, Buchara, Kokand und Chiva wenig historisch wertvolle Sehenswürdigkeiten, was sicherlich zum Teil auf das große Erdbeben von 1966 zurückzuführen ist, nachdem die Stadt baulich wie geistig sowjetisiert worden ist. Architektonisch ist die Stadt eine Mischung aus einer Handvoll islamisch und national geprägter Bauten, ein paar zaristischen Schmuckstücken und ziemlich vielen Sowjetkolossen. Lesenswert zur Stadtarchitektur ist diese Abhandlung auf Zentralasien.net: http://www.zentralasien.net/taschkent/index.html.

Ausgestattet mit einem Stadtplan und unserem Lonely Planet liefen wir bei schönstem Frühlingswetter die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Innenstadt zu Fuß ab. Zunächst ging es die Hauptstraße entlang am Amir-Timur-Museum (s. Bild) vorbei zum zentralen Platz der Stadt. Wie in der gesamten Stadt waren dort auch dutzende Arbeiter damit beschäftigt, die Stadt für den Frühling herauszuputzen. Überall wurden kurz vor dem bevorstehenden Fest „Novruz“ Straßen ausgebessert, Bäume  und Bordsteinkanten (sowie in großzügiger Manier meist auch das Gras daneben!) weiß bepinselt und Beete gepflegt. Mitten auf dem Platz steht ein riesiges Reiterstandbild des Nationalhelden Amir Timur. Seinem Pferd wurde übrigens (wie auf dem Bild auch zu sehen) vor einigen Jahren „das beste Stück“ gestohlen.

Nach einem kurzen Abstecher zum Opernhaus – nach eigenen Angaben immerhin das größte in Zentral- und Südasien – spazierten wir vorbei am Senats-Gebäude, welches angeblich so groß gebaut wurde um den amerikanischen Gegenpart zu übertrumpfen. Unter dem Tor mit den „Freundschaftspelikanen“ hindurch schlenderten wir ein wenig durch den zentralen Park Mustaqillik Maydoni, bevor wir mit einem Eis in der Hand zum Chorzu-Basar liefen. Obwohl er als große Sehenswürdigkeit empfohlen wurde, waren wir von dem Basar etwas enttäuscht, gleicht er doch trotz der interessanten Kuppelkonstruktion stark den Märkten daheim in Bischkek.

Mit der U-Bahn ging es dann zurück ins Hotel. Abends entschieden wir uns, dem Rat unseres Fahrers vom Vorabend zu folgen und den Sonnenuntergang  vom Taschkenter Fernsehturm aus zu verfolgen. Zwar sahen wir vom Sonnenuntergang nicht besonders viel – da sich erstens kein besonders erwähnenswerter Untergang einstellte und sich zweitens das Drehrestaurant just vor dem Erreichen der entsprechenden Position wieder in die entgegengesetzte Richtung zu drehen begann -, aber dafür hatten wir ein sozialistisch-historisches Erlebnis der besonderen Art. Denn unser Eindruck war, dass sich im und um den Fernsehturm in den letzten dreißig Jahren so gut wie nichts verändert haben dürfte. Die kleine Ausstellung im Eingangsbereich, die Flure und Lifte sowie die Ausstattung des Restaurants dürften sich noch im Originalzustand befinden. Den ansprechenden Vorspeisenteller (s. Bild) mussten wir übrigens schon am Fuß des Turms ordern – quasi als garantierter Mindestverzehr.

Am nächsten Morgen machten wir uns erneut auf in die Stadt. Zunächst besichtigten wir die Kulkedash-Medrese, eine Koranschule aus dem 16. Jahrhundert. Dann spazierten wir am „Palast der Freundschaft“ vorbei zur , wo lokale Handwerker Souvenirs herstellen und verkaufen. Dort erstanden wir auch einen Koranständer, der nach traditioneller Technik aus einem einzigen Stück Holz geschnitzt wird (und von nun an unsere Kochbücher halten wird)! Gegenüber der Medrese beobachteten wir noch eine Weile, wie einige hundert Kostümierte für die Feierlichkeiten zu Novruz probten, bevor wir zurück ins Hotel fuhren.