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Man möchte ja meinen, dass sich hierzulande jeder die Finger nach harten Währungen wie Euro oder Dollar leckt. Dass dem nicht immer so sein muss, haben wir schon des Öfteren zu spüren bekommen. Unsere Alltagsausgaben bestreiten wir im Allgemeinen in Euro, die wir in einer der vielen Wechselstuben in Kirgisische Som umtauschen. Und dafür kann man schlichtweg nicht besser wohnen – auf unserer „sowjetischen“ Straße führt jede zweite Tür in eine Wechselstube. Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht: Zum einen muss man zur richtigen Tageszeit kommen. Um die Mittagszeit bekommt man häufig „net deneg!“ entgegen geraunt (Unterton: „Wie kommen Sie auf die vermessene Idee, um diese Zeit bei uns Euro in Som tauschen zu wollen??“. Zum anderen darf man nicht davon ausgehen, dass der Kurs der draußen dran steht für jeden Euroschein, mit dem man anrückt, gelte bzw. dass einem jeder Euroschein – selbstverständlich vorausgesetzt man kommt zur richtigen Tageszeit und das Som-Problem ist überwunden – auch freudig abgekauft würde. Lehre Nr.1: mit weniger als einem 50 Euroschein braucht man gar nicht erst anrücken. Tut man es doch, riskiert man einen deutlich schlechteren Umtauschkurs. Selbst 50 Euro in „kleinen“ Scheinen (2×20, 1×10) machen keinen Unterschied. Lehre Nr.2: Der mind. 50 Euro wertige Schein muss dann auch noch aussehen wie frisch aus der Presse. Er wird höchst aufmerksam unter die Lupe genommen, mit zweifelnden Blicken gewürdigt und dann gibt es 2 Möglichkeiten: entweder man atmet auf, weil er der Prüfung bestanden hat und Aussicht auf Auszahlung des Gegenwertes in lokaler Währung besteht oder man bekommt ihn postwendend wieder zurückgeschoben, weil er angeblich kaputt oder zu dreckig ist. Das Bild zeigt eines der Opfer einer solchen Prüfung, welches dann letztendlich den Weg über einen deutschen Ladentisch nehmen musste. Und wir haben uns nicht etwa gleich geschlagen gegeben. Wie gesagt, es gibt viele Wechselstuben, aber die Qualitätskriterien scheinen unerwartet gleichen Standards zu unterliegen.
Das Ganze erscheint umso absurder vor dem Hintergrund, dass in Bezug auf die lokale Währung mit eben der gleichen Selbstverständlichkeit das komplette Gegenteil der Fall ist: auch der speckigste, zerissenste und angeknabbertste Lappen erfüllt noch seinen Zweck. Und – das versteht sich ja von selbst – je kleiner die Wertigkeit, desto geringer die Wahrscheinlichkeit trotz Geld in der Tasche in Zahlungsschwierigkeiten zu kommen. Die Odyssee, die ich durchlebt habe, um einen (nie wieder!) 5000 Som-Schein (knapp 85 Euro) an den Mann bzw. die Verkäuferin zu bringen, will ich jetzt lieber nicht schildern…
