Jetzt ging es doch alles recht fix und eins schonmal vorweg: wir haben eine neue Wohnung. In Bischkek eine Wohnung zu finden ist an sich nicht besonders schwierig. Anders als in den russischen Metropolen gibt es hier Wohnraum genug und man kann in allen Preisklassen zwischen 50 und 3000$ fündig werden. Dadurch dass ein Großteils der russischen Bevölkerung nach der Unabhängigkeit Kirgisistans nach Russland zurückgekehrt ist und es scheinbar relativ harte Einschränkungen für den Zustrom der Landbevölkerung gibt es in den vielen Plattenbauten der ehemaligen sowjetischen Idealstadt viel freien Wohnraum.
Maria hatte sich in der letzten Woche schon eine Handvoll Wohnungen angeschaut, war jedoch nicht besonders angetan gewesen. Also hatten wir uns kurzfristig an einen anderen Wohnungsmakler (also –agenten) gewandt, den wir schonmal im Internet aufgespürt hatten. Bei Salut kann man sich durch eine sehr große Datenbank mit Wohnungen klicken, von denen auch recht viele mit Bild dargestellt werden (auf die Verfügbarkeit aller Wohnungen sollte man sich aber nicht verlassen und im Gegensatz zur Webseite kommt man bei den Maklern mit Englisch nicht sehr weit). Beachten sollte man unbedingt dass es in Kirgisistan nur möblierte Wohnungen gibt. Nur wenn man eine Wohnung zum Erstbezug in einem der zahlreichen Neubauprojekte ergattert, kann man Glück haben und bei der Einrichtung ein Wörtchen mitreden. Wir haben uns aus der besagten Datenbank ein halbes Dutzend Wohnungen rausgesucht und für Samstag nach meiner Ankunft eine Rundtour mit der Maklerin ausgemacht. Die hatte dann dafür gesorgt dass die Vermieter auch vor Ort sind und die Wohnungen zeigen konnten. Gleich die erste Wohnung gefiel uns sehr gut und nach den vier Besichtigungen des Tages hatten wir zwei uns schon darauf geeinigt: Die Wohnung lag nördlich des Zentrums im Ministerien-Viertel, wo es verhältnismäßig ruhig aber auch immer sehr dunkel ist. Die Maklerin verstand unsere Wahl nicht so recht, da sie meinte, die Wohngegend selbst sei für Ausländer nicht so geeignet… Daher drängte sie auch darauf noch eine weitere Wohnung zu sehen, die wir uns über Mittag noch aus der Datenbank gesucht hatten. Eigentlich wollten wir um 18 Uhr ins Theater, hatten uns aber breitschlagen lassen kurz nach fünf noch diese eine Wohnung zu besichtigen. Da uns auch Marias bisherige Vermieterin nicht von der Pelle rückte und uns unbedingt noch eine Wohnung zeigen wollte teilten wir uns – Maria ging mit der Maklerin und ich mit der Vermieterin… Die Wohnung die mir die Vermieterin zeigen wollte war ganz in Ordnung, sehr geräumig mit einem großen Wohn- und Esszimmer, aber schon recht angestaubter Einrichtung. Auf der anderen Straßenseite sah die Sache schon ganz anders aus, sodass Maria anrief damit ich schnell rüberkommen sollte – das Theater hatten wir zu dem Zeitpunkt eh schon abgeschrieben. Die Wohnung war wirklich schön. Zwar hatten wir ursprünglich nach drei Zimmern geschaut. Aber das große Loft-artige Wohnzimmer mit Bar zur Küche hatte es uns angetan. Eine halbwegs moderne Einrichtung und eine fast neue Küche mit ausschließlich deutschen Küchengeräten gaben schließlich den Ausschlag dass wir uns für diese Wohnung entschieden. Die Vermieter versprachen noch einen neuen Waschtisch im Bad einzubauen und die Silikonfugen der Dusche erneuern zu lassen. Zudem wurden sie von der Maklerin noch um 100$ Monatsmiete heruntergehandelt.
Die Wohnung liegt nur ein paar Minuten Fußweg vom GTZ-Büro entfernt und liegt ansonsten auch quasi direkt im Stadtzentrum – nah an den Einkaufsmöglichkeiten und am pulsierenden Leben der Hauptstadt. Das Beste an der Wohnung ist aber der Blick auf die schneebedeckten 4000er des Tian-Shan, den man durch die breite Fensterfront des Wohnzimmers und zum Frühstück vom Esstisch in der Küche aus hat:




